Unfall, viele Verletzte, Tote, persönlich bekannte Betroffene… der Feuerwehreinsatz kann rasch zum schrecklichen Erlebnis werden.Jeder Mensch geht mit solchen Eindrücken unterschiedlich um – und er speichert sie! Selbst schon so etwas erlebt?
Gerade in der Feuerwehr kann es zu Situationen kommen, wo bestimmte Erlebnisse zu Stress führen. Kann dieser Stress nicht oder nur unzureichend verarbeitet werden, können psychische Belastungen bis hin zu Erkrankungen nicht ausgeschlossen werden – mit weitreichenden Folgen.
Jetzt kommt der Feuerwehr-Peer ins Spiel:Der „Peer“, aus dem Englischen etwa ein gleichgestellter Kamerad, ist ein Feuerwehrmitglied mit einer psychosozialen Ausbildung, der in der Lage ist, nach belastenden Ereignissen im Zuge eines Einzel- oder Gruppengesprächs psychischen Druck abzubauen und im Notfall auch professionelle Hilfe zu organisieren. Die Aufgabe des Peers ist es, die Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen/Ereignissen (SVE) zu erleichtern!
Was ruft Stress bzw. Belastung nach Einsätzen hervor?
- Tod eines Kameraden
- Selbstmord eines Kameraden
- Schwere Verletzung eines Kameraden
- Tod/schwere Verletzungen von Kindern
- Todesangst – Angst vor eigener Gefährdung
- Schusswaffengebrauch
- Große Anzahl von Toten und Verletzten
- Persönlich bekannte Opfer
- Starkes Medieninteresse
Nach einem belastenden Einsatz kann es sein, dass du Veränderungen an dir erkennst. Auch könnte deine eigene Handlungsfähigkeit eingeschränkt sein. Das braucht dich nicht zu beunruhigen, weil es eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine außergewöhnliche Situation ist.
Solche Veränderungen können sein, dass du:
- immer daran denkst, was du bei diesem Einsatz erlebt hast.
- in der Nacht wieder und wieder davon träumst.
- in der Nacht nicht oder nur sehr schlecht schlafen kannst.
- (wenn du die Augen schließt), Bilder vom Einsatz vor dir siehst.
- du das Gefühl hast, keinen Dienst mehr machen zu können.
- du Umwege fährst, um nicht an der Einsatzstelle vorbeizukommen.
- seit dem Einsatz (vermehrt) rauchst/trinkst.
- gereizt und ungeduldig bist.
Gegen diese Veränderungen kannst du selbst sehr einfache Maßnahmen ergreifen: tu dir selbst etwas Gutes, entspanne dich, z.B. durch deinen Lieblingssport …
Hilfe durch Peers
Stressverarbeitung bedeutet Betreuung der Einsatzkräfte inEinzel- oder Gruppengesprächen, um traumatische Erlebnisse besser verarbeiten zu können und Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten. (SVE ist KEINE Therapie.) Sämtliche durch Peers moderierte Gespräche sind streng vertraulich, dienen nicht zum Kritisieren des Einsatzes – sondern bieten Hilfestellung.
Angebot nutzen
Wenn du dich nach einem Einsatz nicht wohlfühlst: du kannst am kurzen Weg jemanden aus der Peer-Gruppe des Feuerwehrbezirkes kontaktieren. Rasche Information und Hilfestellung ist dir sicher! (vgl. Info-Folder)
Bei Ereignissen mit hohem Belastungspotential erfolgt die Alarmierung der Peer-Gruppe zur Betreuung vor Ort – noch während oder nach dem Einsatz! Denn: Reden hilft!
Wichtig: Information über SVE für jede Feuerwehr
Im Rahmen des Ausbildungsprogrammes besteht die Möglichkeit, dass ein Peer euch über Stressverarbeitung umfassend informiert – das erleichtert die Hilfe im Ernstfall! Wie gesagt: kontaktiert uns auch für eine Schulung zum Thema!
Gesund nach Hause kommen sollte das Ziel bei jedem Einsatz sein – und dazu gehören eben Unfallverhütung, Schutzausrüstung, Hygienemaßnahmen UND psychosoziale Betreuung!

